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Belegschaftsaktien für alle?


Belegschaftsaktien hätten durchaus das Potenzial, die unternehmerische Mitbestimmung zu ergänzen – dafür müssten sie aber weiter verbreitet und „demokratischer“ zugänglich sein. | ©number1411/fotolia.com

Manager trommeln für mehr Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter. Bisher kommen Belegschaftsaktien jedoch häufig nur kleinen Kreisen zugute, zeigt eine neue Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung. Das Potenzial für mehr Beteiligung wird oft noch nicht ausgeschöpft. Dabei könnte eine stärkere Mitbestimmung Unternehmen nachhaltiger machen.

Die Vorstände von Dax-Konzernen wie Siemens, BASF oder RWE wollen, dass sich Mitarbeiter stärker am eigenen Unternehmen beteiligen und mehr Belegschaftsaktien halten. Die Idee dahinter: Man bindet die Beschäftigten enger ans Unternehmen, gewinnt die Belegschaft als loyalen Ankeraktionär. Doch was bedeutet es für Arbeitnehmer, wenn sie nicht nur Angestellte, sondern gleichzeitig Aktionäre ihrer Firma sind? Und was heißt das für die Mitbestimmung der Beschäftigten?

Belegschaftsaktien als Teil der Vergütung

Von 160 Unternehmen, die in den vier deutschen Börsenindizes notiert sind, bieten aktuell 112, das entspricht rund 70 %, irgendeine Form von Belegschaftsaktien an. Dabei ist der Anteil von Unternehmen mit Belegschaftsaktien im Dax nicht wesentlich höher als im MDax oder SDax. Am weitesten verbreitet sind sie im TecDax: 77 % der Unternehmen im Technologie-Index bieten diese Form der Mitarbeiterbeteiligung an. Als Gründe für die Einführung von Belegschaftsaktien werden der Analyse zufolge monetäre Gründe am häufigsten genannt. Konkret: Belegschaftsaktien stellen in 36 Unternehmen einen Teil der variablen Vergütung dar. In 35 Fällen heißt es, sie seien dazu gedacht, die Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen. Ebenfalls häufig genannt werden „weiche“ Gründe: entweder soll Mitarbeiterbindung gesteigert werden wie in 32 Unternehmen, die Motivation (24), das unternehmerische Denken (22) oder die Identifikation mit dem Unternehmen (13). Andere Motive scheinen dagegen von nachrangiger Bedeutung.

Belegschaftsaktien kommen selten der gesamten Belegschaft zugute

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Belegschaftsaktien werden zwar in vielen großen Unternehmen angeboten, aber nur in wenigen kommen sie der gesamten Belegschaft zugute. Belegschaftsaktien hätten durchaus das Potenzial, die unternehmerische Mitbestimmung zu ergänzen – dafür müssten sie aber weiter verbreitet und „demokratischer“ zugänglich sein. Diesem Gedanken stellten sich auch die Betriebsräte und die Gewerkschaften nicht in den Weg, so die Studie. Sie betonten aber, dass die Kapitalbeteiligung keinen Ersatz für tarifvertragliche Gehaltsbestandteile und angestammte Mitbestimmungsrechte darstellen darf. Zudem tragen die Arbeitnehmer ein „doppelte Risiko“, wenn das Unternehmen in eine existenzielle Krise gerät: zusätzlich zum Verlust des Arbeitsplatzes droht der Wertverlust der Aktien.

(Hans-Böckler-Stiftung / RES JURA Redaktionsbüro)


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