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Bundesrat stimmt CSR-Richtlinie zu: Das müssen Aufsichtsräte jetzt wissen


Die Herausforderung für jeden Aufsichtsrat wird darin bestehen, die neuen CSR-Prüfgebiete qualifiziert erfassen zu können. | Christian Knake

Der Deutsche Bundesrat hat heute dem Entwurf für das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz zugestimmt und damit die Ausweitung der Berichtspflichten beschlossen. CSR steht für “Corporate Social Responsibility” – ein Thema, das für den Aufsichtsrat immer mehr an Bedeutung gewinnt, betont Christian Knake, Experte für Governance, Risk & Compliance bei Warth & Klein Grant Thornton.

Warum ist das Thema CSR im Allgemeinen wichtig für Aufsichtsräte?

Christian Knake: „CSR oder Nachhaltigkeit waren schon immer wichtige Themen für den Aufsichtsrat; bereits der Deutsche Corporate Governance Kodex betont die große Bedeutung nachhaltiger Wertschöpfung. Außerdem wird sowohl national als auch international rechtswidriges Verhalten zunehmend vehementer verfolgt und auch bestraft. Wer neben der „harten“ Einhaltung von Gesetzen auch ethisches, faires und nachhaltiges Verhalten fördert, hat nicht nur einen Vorteil gegenüber seinen Mitbewerbern. Vielmehr ist eine entsprechende Kultur im Unternehmen der beste Schutz vor großen Schäden, die dank sozialer Medien heute schnell und unkontrolliert über die Unternehmen und Entscheider hereinbrechen können. Daher sind Programme, die neben der Einhaltung von Gesetzen auch Nachhaltigkeit und Unternehmensethik unterstützen, längst Teil der Unternehmensziele und der entsprechenden Strategien geworden. Folglich sind diese per se ein wichtiges Thema für den Aufsichtsrat.“

Der gesonderte nichtfinanzielle Bericht wird gemäß §§ 111, 170, 171 AktG explizit in das Pflichtenheft des Aufsichtsrats aufgenommen, er hat ihn also zu prüfen. Was bedeutet das für die Praxis?

Christian Knake: „Die Prüfungspflichten des Aufsichtsrates werden klar um die Prüfung nichtfinanzieller Informationen erweitert. Unternehmen, die in den Anwendungsbereich der neuen Regelungen fallen, haben grundsätzlich die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Berichtsformen zu wählen, entweder als Erweiterung des Lageberichts im Rahmen einer „nichtfinanziellen Erklärung“ oder separat als „gesonderter nichtfinanzieller Bericht“. Börsennotierte Unternehmen müssen darüber hinaus eine Beschreibung ihres Diversitätskonzepts erstellen. Diese Beschreibung ist dann durch den Aufsichtsrat zu prüfen. Hat das Unternehmen kein Konzept, ist das unter Angabe von Gründen zu erläutern. Konkret werden neue Prüfgebiete eröffnet, die zunächst weniger greifbar erscheinen, als die bereits geforderten Informationen im Lagebericht.“

Welche neuen Prüfgebiete werden das sein?

Christian Knake: „Neben den eigentlichen Prüfgebieten wie Arbeitnehmer-, Sozial- und Umweltbelange, Maßnahmen zur Achtung der Menschenrechte und zur Korruptionsbekämpfung werden noch Angaben verlangt, die für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage der Kapitalgesellschaft sowie der Auswirkungen ihrer Tätigkeit erforderlich sind. Die Herausforderung für jeden Prüfer und Aufsichtsrat wird darin bestehen, die oben angegebenen Prüfgebiete qualifiziert zu erfassen und prüfen zu können. Beispielsweise wird es notwendig sein, Umweltbelange mit einem Mindestmaß an technischen Sachverstand nachvollziehen zu können. Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung erfordern wiederum neben nationalen und internationalen Rechtskenntnissen auch die Fähigkeit, qualifiziert die Qualität unternehmensinterner Prozesse einschätzen zu können.“

Wie geht der Aufsichtsrat nun vor? Haben Sie ein paar Tipps?

Christian Knake: „Die CSR-Berichterstattung ist anhand anerkannter Rahmenwerke zu erstellen. Die Richtlinie 2014/95/EU gibt nicht vor, dass die Unternehmen bei der Berichterstattung ein bestimmtes Rahmenwerk oder einen bestimmten Standard befolgen müssen. Vielmehr sieht sie vor, dass die Mitgliedstaaten den Unternehmen Flexibilität bei der Wahl von Standards oder Rahmenwerken einräumen.

Anerkannte Rahmenwerke können sein:

  • Global Reporting Initiative (GRI) – international anerkannt und mit der Konzentration auf wesentliche Informationen;
  • Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK) – zunehmend etabliert in Deutschland, einfach anzuwenden und an kleine und mittelständische Unternehmen gerichtet;
  • UN Global Compact – Verpflichtung zur Einhaltung von zehn sozialen und ökologischen Mindeststandards.

Konkret wird das fachliche Spektrum bei nichtfinanziellen Berichten eine große Herausforderung für den Aufsichtsrat sein. Mein Tipp:

1)    Der Aufsichtsrat sollte sich bereits jetzt im Rahmen einer kurzen, aber strukturierten Analyse darüber Gedanken machen, ob sein Unternehmen in den Anwendungsbereich des neuen Gesetzes fällt. Betroffen sind große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie große Kreditinstitute und Versicherungen, jeweils mit mehr als 500 Mitarbeitern.

2)    Der Anwendungszeitraum ist sehr aktuell und betrifft erstmalig Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2016 beginnen bzw. begonnen haben.

3)    Inhaltlich sollte gemeinsam mit dem Vorstand diskutiert werden, wie und insbesondere in welchen Fachgebieten Besonderheiten oder Hindernisse im Rahmen der Umsetzung bestehen. Wichtig ist, hierbei selbst oder durch Dritte feststellen zu lassen, ob überhaupt schon eine Prüffähigkeit besteht – der so genannte Readiness-Check.“

Gibt es auch klassische formelle Anforderungen an die nichtfinanzielle Berichterstattung, die der Aufsichtsrat beachten muss?

Christian Knake: „Die Berichterstattung zur Corporate Social Responsibility muss, je nach gewählter Methode, spätestens vier  Monate nach dem Abschlussstichtag erfolgen. Der Anwendungszeitraum betrifft erstmalig Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2016 beginnen bzw. begonnen haben. Daher müssen erste Berichte in 2018 vorgelegt werden. Das klingt zunächst einmal noch nach einer langen Zeit. Betrachtet man aber das breite Themenspektrum, das ein CSR-Bericht prüfbar abdecken muss, sollte man nicht mit der Umsetzung zögern. Es gibt keine Pflicht für Unternehmen, die CSR-Berichte extern prüfen zu lassen. Unternehmen, die freiwillig externe Prüfer beauftragen, sind aber verpflichtet, deren Prüfergebnis analog zu dem Bericht selbst zu veröffentlichen. Die Offenlegungspflicht des Prüfergebnisses gilt erst ab dem Geschäftsjahr 2019.“

Welche Rolle spielt dabei der Wirtschaftsprüfer?

Christian Knake: „Wichtig ist zu wissen, dass der Abschlussprüfer nur prüfen muss, ob die nichtfinanzielle Erklärung oder der gesonderte nichtfinanzielle Bericht vorgelegt wurden. Eine inhaltliche Prüfung durch den Abschlussprüfer ist nicht vorgesehen. Dies entbindet den Aufsichtsrat selbst aber nicht von seiner Pflicht, Inhalte der Berichterstattung zu prüfen. Er kann aber nach § 111 AktG eine externe inhaltliche Überprüfung in Auftrag geben.“

Vielen Dank für das spannende Gespräch, Herr Knake!

Das Interview führte Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro

 

 


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