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CFO Survey sieht Wirtschaftslage kippen


Die Investitions- und Einstellungsbereitschaft ist im Keller; immerhin wirkt sich die digitale Transformation bei 44 % der Finanzvorstände positiv auf die Investitionen aus. | © Andrey Popov/fotolia.com

Die jüngste Ausgabe des CFO Survey von Deloitte bestätigt die Konjunktursorgen für Deutschland. 46 % der CFOs bewerten ihre Geschäftsaussichten gegenüber dem Vor-Quartal als schlechter und für 63 % stellt sinkende Inlandsnachfrage ein hohes Risiko dar. Die Investitions- und Einstellungsbereitschaft liegen auf einem Siebenjahrestief.

Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich seit dem Frühjahr stark verschlechtert. Dies betrifft Konjunkturerwartungen, eigene Geschäftsaussichten sowie Investitions- und Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. Für Deutschland sehen immerhin noch zwei von fünf Finanzvorständen eine mindestens noch gute aktuelle Lage. Die Ergebnisse für die Eurozone und die USA sind ähnlich; für China stehen die Aussichten zwar etwas besser, sind aber klar negativ. All das indiziert eine merkliche Abkühlung der Weltwirtschaft, wenn auch nicht notwendigerweise eine Rezession.

Digitale Transformation als Lichtblick

„Im vergangenen halben Jahr haben sich die Geschäftsaussichten deutlich verdüstert und folgen dem seit etwa zwei Jahren im CFO Survey erkennbaren Abwärtstrend“, sagt, Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. „Vor allem die Investitionsbereitschaft ist eingebrochen und befindet sich das erste Mal seit 2012 im negativen Bereich. Ähnliches gilt für die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. Ein Lichtblick ist die digitale Transformation, in die viele Unternehmen nach wie vor investieren wollen.“

Wirtschaftliche Lage noch gut, Aussichten deutlich schlechter

Obwohl die Finanzvorstände die aktuelle Lage in den wichtigsten Weltregionen noch als positiv bewerten, überwiegt bei den Konjunkturaussichten für Deutschland eher Pessimismus: Für das kommende Jahr erwarten 59 % der CFOs eine schlechtere Lage, gegenüber 8 % Optimisten. Die Geschäftsaussichten für das eigene Unternehmen brechen mit einem Rückgang von -26 % im Vergleich zum Frühjahrs-Survey deutlich ein.

Geringe Bereitschaft für Investitionen

Die negativen Trends tangieren auch die Investitions- und Einstellungsbereitschaft der Unternehmen unmittelbar. So geht die Investitionsbereitschaft für die nächsten 12 Monate um 33 % zurück und ist erstmals seit 2012 wieder negativ. Niedrige Zinsen sind als Investitionstreiber der Umfrage zufolge eher ineffektiv, eine weitere Lockerung der Geldpolitik – wie während des Befragungszeitraums geschehen – dürfte den Investitionswillen daher kaum stärken, nur jeder 25. CFO würde deswegen mehr investieren. Am ehesten würde mit einer Zustimmung von 10 % die Immobilienbranche auf geldpolitische Maßnahmen reagieren.

Digitalisierung stärkster Investitionstreiber

Den allgemein negativen Investitionstrends zum Trotz überzeugt die digitale Transformation als einer der wenigen verbliebenen positiven Investitionstreiber: Die digitale Transformation ist für 44 % der Unternehmen ein positiver Investitionsfaktor, besonders im Bankwesen (64%) und in der Konsumgüterindustrie (55%). Als struktureller Faktor stützt die Digitalisierung damit Investitionsausgaben, wenn auch andere Investitionsarten auf dem Prüfstand stehen. In der Finanzfunktion hingegen erzeugt die Digitalisierung trotz enormer Möglichkeiten einen Engpass im personellen Bereich: Neue digitale Rollen bedürfen digitaler Qualifikationen, die nicht ohne weiteres durch freiwerdende Mitarbeiter erfüllt werden; zugleich mangelt es den Bewerbern an den erforderlichen Kompetenzen. Die digitale Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter wird somit zur Top-Priorität für die Digitalisierung der Finanzfunktion.

(Deloitte / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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