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DAX-Aufsichtsräte wenig international besetzt


Nur 20 % der Aufsichtsratsmitglieder haben einen ausländischen Pass – Globalisierung und technologische Umbrüche machen jedoch eine stärkere Vielfalt wünschenswert. | © Monkey Business/fotolia.com

Ausländische Investoren besitzen 54 % der Aktien der DAX-Konzerne, und im Durchschnitt erwirtschaften die DAX-Unternehmen 77 % ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands – dennoch sind die von den Aktionären gewählten Aufsichtsräte mit großer Mehrheit Deutsche.

Von den insgesamt 261 von der Kapitalseite ernannten Aufsichtsratsmitgliedern der DAX-Unternehmen haben 180 – das sind 69 % – einen deutschen Pass, rund ein % hat eine doppelte (deutsche und ausländische) Staatsangehörigkeit, 30 % sind Ausländer.

6 % mit US-Nationalität

Einigermaßen adäquat vertreten ist das europäische Ausland, auf das 28 % des Aktienbesitzes entfällt und das 23 % der Aufsichtsräte stellt. Nordamerika hingegen ist stark unterrepräsentiert: 19 % der Anteile der DAX-Unternehmen werden von nordamerikanischen Investoren gehalten – aber nur 6 % der Aufsichtsratsmitglieder haben einen US-amerikanischen Pass. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zur Zusammensetzung der Aufsichtsratsgremien der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

Aufsichtsräte fest in deutscher Hand

„Die DAX-Konzerne sind inzwischen in ihrem operativen Geschäft hochgradig international aufgestellt, und auch die Aktionärsstruktur weist einen hohen Auslandsanteil auf, was auf ein starkes Interesse ausländischer Investoren an den deutschen Top-Konzernen schließen lässt. Dennoch sind ausländische Anteilseigner in den Aufsichtsräten zahlenmäßig nicht annähernd adäquat vertreten“, stellt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, fest. „Nicht einmal ein Drittel der Aufsichtsratsmitglieder hat einen ausländischen Pass – damit bleiben die Aufsichtsräte fest in deutscher Hand, während die Aktien mehrheitlich in ausländischen Depots liegen“.

Aufsichtsrat könnte von Vielfalt profitieren

Bei den von den Arbeitnehmern entsandten Aufsichtsratsmitgliedern liegt der Ausländeranteil mit 8 % sogar noch deutlich niedriger. Insgesamt stammen 20 % der Aufsichtsräte, die im obersten Kontrollgremium eines DAX-Unternehmens sitzen, aus dem Ausland. „Natürlich ist ein hoher Ausländeranteil im Aufsichtsratsgremium kein Gradmesser für die Qualität der Arbeit“, betont Meyer. „Allerdings könnte die Arbeit der Aufsichtsräte durchaus von einer größeren Vielfalt profitieren. Denn unterschiedliche Kulturen mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen und Managementmethoden können die Arbeit der Aufsichtsräte bereichern und neue Impulse geben.“

Gleiches Bild im Vorstand

Allerdings sind auch die Vorstandsgremien der deutschen Top-Konzerne nur mäßig international besetzt: Hier liegt der Ausländeranteil zur Jahresmitte bei 33 % und damit nur unwesentlich höher als in den Aufsichtsräten. „Neue Technologien verändern Geschäftsmodelle und Strategien in bislang nie dagewesener Geschwindigkeit – da kann es nicht schaden, stärker über den Tellerrand zu blicken, sich auf neue Sichtweisen einzulassen“, betont Meyer.

(EY / Viola C. Didier)


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