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DAX-Konzerne: Immer häufigere Korrektur der Prognosen

Wachstum, Investition, Erfolg
Obwohl die Märkte im vergangenen Jahr gleich zwei externe Schocks – das Brexit-Votum und den überraschenden Ausgang der US-Präsidentschaftswahl – zu verkraften hatten, hat sich in vielen Fällen das operative Geschäft der deutschen Unternehmen überraschend gut entwickelt. | ©Maksim Kabakou/fotolia.com

19 der 30 DAX-Konzerne haben 2016 ihre Prognosen korrigiert – ein neuer Rekord. Allen politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen zum Trotz: Immerhin haben mehr Unternehmen ihre Gewinn- und Umsatzprognosen nach oben als nach unten korrigiert.

Im Vergleich der Indizes erwiesen sich die Prognosen der DAX-Konzerne als wenig zuverlässig: 63 Prozent der DAX-Unternehmen haben im Lauf des Jahres ihre Prognosen korrigiert (Vorjahr: 47 Prozent) – in 16 Fällen nach oben, in acht Fällen nach unten. Damit stieg die Zahl der Prognosekorrekturen der DAX 30-Unternehmen auf 24 – den höchsten Stand seit 2011, als die Analyse zum ersten Mal durchgeführt wurde. Im Vorjahr lag sie bei 22, 2014 nur bei sieben.

Weniger Aufwärtskorrekturen bei kleineren Unternehmen

Während die Zahl der Aufwärtskorrekturen bei den DAX-30-Unternehmen gegenüber dem Vorjahr von 12 auf 16 stieg, war sie in allen anderen Segmenten rückläufig, am stärksten – von 43 auf 28 – bei den kleineren Unternehmen, die weder in DAX, MDAX, SDAX oder TecDAX notiert sind. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die veröffentlichungspflichtige Korrekturen an Gewinn- und Umsatzprognosen in den Jahren 2011 bis 2016 untersucht. Für die Analyse wurden alle 302 Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse betrachtet.

Belastbare Prognosen kaum möglich

Die nach wie vor hohe Zahl von Prognosekorrekturen – unabhängig davon, ob nach oben oder nach unten – zeige, dass die wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen durchaus Spuren im operativen Geschäft vieler deutscher Unternehmen hinterlassen, erklärte Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY: „Es ist derzeit enorm schwer, belastbare Prognosen abzugeben. Die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen ändern sich derzeit sehr rasch, und staatliche Eingriffe in den Markt können in einem ohnehin sehr volatilen Umfeld Marktprognosen schnell obsolet machen.“

Gewinnwarnungen lassen Kurse fallen

Im Jahr 2016 standen insgesamt 67 Gewinn- oder Umsatzwarnungen 87 Fälle gegenüber, in denen Unternehmen die zuvor prognostizierten Werte übertrafen und daher sogenannte Gewinn- oder Umsatzerwartungen veröffentlichten. Im Durchschnitt sanken die Kurse der betroffenen Unternehmen am Tag der Gewinnwarnung um sechs Prozent und konnten sich auch in der Folgewoche nicht wieder erholen – im Gegenteil: Eine Woche nach Bekanntgabe der Gewinnwarnung lag der Aktienkurs im Durchschnitt um sieben Prozent niedriger als vor der Ad-hoc-Meldung. Wenn hingegen Unternehmen ein Übertreffen ihrer Gewinnprognosen ankündigten, führte das im Schnitt zu einem unmittelbaren Anstieg des Aktienkurses um vier Prozent – der sieben Tage später auf ein Plus von nur fünf Prozent stieg. „Nach wie vor werden Gewinnwarnungen von den Anlegern stärker bestraft, als Anhebungen der Prognosen belohnt werden“, so Steinbach.

(EY / Viola C. Didier)


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