Kategorien

Deutsche Unternehmen planen für einen harten Brexit


Ein Viertel der deutschen Unternehmen geht bei hartem Brexit von Stellenstreichungen in Deutschland aus. Nachlassender Handel mit UK ist jedoch die größte Sorge deutscher Unternehmen. | ©7razer/fotolia.com

Ganz gleich, ob die EU-Kommission den Brexit-Aufschub bis Ende Juni ablehnt oder nicht, deutsche Unternehmen sind von den Unsicherheiten rund um den Brexit längst betroffen. Auch die Sorge vor einem ungeordneten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU wird immer größer, zeigt eine aktuelle Studie von Deloitte.

„Die Auswirkungen des Brexit-Prozesses auf die deutsche Wirtschaft sind bereits spürbar, eine Folge der andauernden Unsicherheit“, sagt Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter Research bei Deloitte. „Die Unternehmen und Branchen sind unterschiedlich auf einen wie auch immer gearteten Brexit vorbereitet. Für Unternehmen, die noch nicht ausreichend vorbereitet sind, gilt jetzt: Die wenigen Wochen, die noch bleiben, müssen dafür genutzt werden. Ein harter Brexit hätte weitreichende Folgen auch für deutsche Unternehmen.“

Unternehmen spüren Brexit-Auswirkungen bereits

Der Brexit-Prozess führt bereits zu Schwierigkeiten bei der langfristigen Planung der Unternehmensaktivitäten im Vereinigten Königreich.  Vor allem die Automobilindustrie ist hiervon betroffen. Zudem ist vor allem in dieser Branche zudem ein Auftragseinbruch zu verzeichnen. Das Zurückstellen von Investitionsentscheidungen ist eine weitere Auswirkung, die vor allem die Konsumgüterindustrie trifft. Dies ist das Ergebnis des Brexit Briefings zum Thema „Brexit und die deutsche Wirtschaft: Risiken, Erwartungen und Strategien der Unternehmen“, das von Deloitte gemeinsam mit dem Bundesverband der Industrie (BDI) erstellt wurde. Hierfür wurden 262 deutsche Großunternehmen mit wirtschaftlichen Beziehungen zum Vereinigten Königreich befragt.

Diese Maßnahmen werden ergriffen

Bei ihren Brexit-Vorbereitungen greifen Unternehmen auf eine Vielzahl an Maßnahmen zurück. Dazu gehören Vertragsanpassungen ebenso wie die Analyse alternativer Transportwege und die Verlagerung von Produktionsstätten, die Erhöhung von Lagerkapazitäten oder der Austausch britischer Zulieferer und Dienstleister.  Eine zentrale Task Force zur Bewältigung von möglichen Brexit-Folgen haben bisher 37 % der befragten Unternehmen eingerichtet, deutlich mehr als die Hälfte analysieren mögliche Brexit-Implikationen bisher vor allem punktuell (58 %). Erst 52 % der befragten Unternehmen haben Notfallpläne für den Fall eines ungeordneten Austritts aus der EU entwickelt. Die Banken sind hier am besten vorbereitet.

Stellenstreichungen im Falle eines harten Brexit erwartet

Gerade einen harten Brexit fürchten deutsche Unternehmen aber. 47 % der befragten Unternehmen schätzt den Schaden, der in diesem Fall auf sie zukäme, als hoch oder sogar sehr hoch ein. Zudem würden laut Befragung ein Viertel der Unternehmen in Deutschland Stellen streichen. Das betrifft vor allem die Automobilindustrie, das Bankwesen und den Konsumgüter-Bereich.

BDI: Negative Effekte treten mit Sicherheit ein

Ein ungeordneter Brexit hätte weitreichende Auswirkungen auch auf den Standort Deutschland. „Die Unternehmen haben sich vorbereitet. Trotzdem werden negative Effekte mit Sicherheit eintreten. Sie lassen sich auch durch die beste Vorbereitung nicht verhindern“, sagt BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. „Ein ungeordnetes Ausscheiden des Vereinigten Königreichs riskiert ein bilaterales Außenhandelsvolumen Deutschlands von rund 120 Milliarden Euro an Ein- und Ausfuhren. Der britischen Wirtschaft droht eine unmittelbar durchschlagende Rezession, die auch an Deutschland nicht unbemerkt vorüberziehen würde.“

Große Sorge um nachlassenden Handel

Insgesamt die größte Sorge macht deutschen Unternehmen ein nachlassender Handel mit dem Vereinigten Königreich. Das sagen mehr als die Hälfte der Unternehmen (51 %). Die politische Gefahr eines Auseinanderfallens der EU wird ebenfalls als hoch eingeschätzt. Auch deswegen wünschen sich jeweils über ein Drittel der deutschen Unternehmen nach einem wie auch immer gearteten Brexit eine stärkere Zusammenarbeit in bestimmten Politikfeldern beziehungsweise mehr generelle Integration innerhalb der EU (35 % bzw. 39 %).

Stärkung des Finanzplatzes erwartet

Die deutschen Unternehmen sehen nach einem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU auch Chancen für den Standort Deutschland. Dabei werden vor allem eine Stärkung des Finanzplatzes, steigende ausländische Direktinvestitionen und eine Verlagerung bestehender Unternehmen oder Unternehmensteile nach Deutschland genannt. Übrigens: Der größte Teil der Befragten (36 %) rechnet mit einem harten Brexit.

(Deloitte / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Top