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„Effizienzprüfungen sind Bestandteil professioneller Gremienarbeit“

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Professor Dr. Michael Wolff: erklärt: "Effizienzprüfungen können helfen, die Strukturen und Prozesse der Gremienarbeit systematisch zu beleuchten."

Effizienzprüfungen werden von Aufsichtsräten häufig noch als bürokratische Forderung des DCGK wahrgenommen und kritisch hinterfragt. Wie Effizienzprüfungen ablaufen und weshalb sie gerade auch für nicht börsennotierte Unternehmen sinnvoll sind, erklärt Professor Dr. Michael Wolff, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen.

Bei den meisten börsennotierten Unternehmen werden Effizienzprüfungen durchgeführt. Wie sehen dort solche Effizienzprüfungen aus?

Professor Dr. Michael Wolff: “Den Kern von Effizienzprüfungen bildet in der Regel ein Fragebogen für eine individuelle Befragung der Gremienmitglieder. Der genutzte Fragebogen sollte dabei die verschiedenen Facetten der Gremienarbeit wie bspw. die innere Ordnung, die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren der Gremienarbeit (wie z.B. dem Wirtschaftsprüfer) oder die Diskussionskultur innerhalb des Gremiums berücksichtigen. Laut einer Studie der Universität Göttingen nutzen knapp 80 Prozent der Unternehmen einen solchen Fragebogen. Die Ergebnisse der Befragung werden dann typischerweise zur Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Gremienarbeit genutzt. In manchen Fällen wird die Befragung um persönliche Interviews ergänzt. Leider gibt es aber auch noch Aufsichtsräte, die eine jährliche Aussprache im Plenum ohne vorherige Befragung der einzelnen Gremienmitglieder für ausreichend erachten. Wenig verwunderlich, dass hierbei in der Regel nichts herauskommt.”       

Wieso sind Effizienzprüfungen als Instrument der Aufsichtsratsarbeit so wertvoll?

Professor Dr. Michael Wolff: “Weil Effizienzprüfungen helfen können, die Strukturen und Prozesse der Gremienarbeit systematisch zu beleuchten und einer kritischen Reflektion zu unterziehen. Allerdings gibt es verschiedene Bedingungen für die Wirksamkeit solcher Prüfungen: Der genutzte Fragebogen sollte bspw. alle wichtigen strukturellen und prozessualen Aspekte der Gremienarbeit erfassen. Des Weiteren sollte die Befragung der Gremienmitglieder anonym erfolgen, da hierdurch eine ehrliche Bestandsaufnahme des Status quo der Gremienarbeit wahrscheinlicher wird. Ebenso wichtig ist, dass auf Basis der Ergebnisse Handlungsempfehlungen für das spezifische Gremium abgeleitet werden. Ansonsten bleibt eine Effizienzprüfung ohne Wirkung.”

Warum und inwiefern sind Effizienzprüfungen auch für nicht börsennotierte Unternehmen sinnvoll?

Professor Dr. Michael Wolff: “Unabhängig davon, ob ein Unternehmen börsennotiert ist oder nicht, sollten die entsprechenden Gremien professionell arbeiten. Und Effizienzprüfungen sind meines Erachtens ein Bestandteil professioneller Gremienarbeit. Leider wird die Effizienzprüfung von Aufsichtsräten aber häufig noch als bürokratische Forderung des DCGK oder KWG für große Unternehmen oder Banken wahrgenommen. Dies liegt daran, dass die Prüfungen regelmäßig mit sehr hohen Beraterkosten einhergehen und deshalb von vielen Gremienmitgliedern hinsichtlich einer Kosten-Nutzen-Schätzung sehr kritisch beurteilt werden. Bei zielgerichteter und kosteneffizienter Durchführung (z.B. mittels Online-Befragungen) kann diese negative Beurteilung durch die Aufsichtsräte aber vermieden werden.”

Herr Professor Dr. Michael Wolff, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro.

 


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