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Energiebranche: Weiterhin wenige Frauen in Führungspositionen


Die Unternehmenskultur muss modernisiert werden und weiblichen wie männlichen Talenten mehr Zeitsouveränität, Flexibilität und gute Rahmenbedingungen bieten, auch in Führungspositionen die Work-Life-Balance aufrechtzuerhalten. | © motorradcbr/fotolia.com

PwC hat die Chefetagen von Energieunternehmen analysiert. Ergebnis: Frauen sind weiterhin selten in Führungspositionen zu finden. Am höchsten ist Anteil in Verwaltungs- und Aufsichtsräten, während die Vorstände Männerdomäne bleiben.

Frauen haben es weiterhin schwer, in die Chefetagen der Wirtschaft zu kommen – die Energiebranche ist da keine Ausnahme. Der Anteil der Frauen in Führungspositionen liegt dort derzeit bei 12 %. Das entspricht einer Zunahme um zwei Prozentpunkte im Vergleich zur Voruntersuchung 2014. „Für einen Vierjahreszeitraum ist der Anstieg viel zu gering. Frauen werden trotz hoher fachlicher Qualifikation zu selten für Führungspositionen vorgeschlagen“, sagt Nicole Elert, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Leiterin der juristischen Beratung für Energieunternehmen zum Thema Arbeit der PwC Legal AG.

Frauenanteil im Top-Management lediglich bei 1 %

Etwa jede vierte fachliche Leitung in der Energiebranche ist von einer Frau besetzt. Damit ist ihr Anteil im Vergleich zu 2014 nahezu gleichgeblieben. Es dominieren Tätigkeitsbereiche wie Personalführung (41 %) und Werbung/Marketing/Presse (40 %). „Eher technische oder strategische Aufgaben werden weiterhin fast ausschließlich von Männern erledigt“, so Elert. In der Datenverarbeitung sind nur 7 % der Führungskräfte Frauen, in der Technischen- und Fertigungsleitung nur zwei Prozent, um die Firmenstrategie kümmern sich nur zu 18 % auch Frauen. Zudem beziehen sich die Werte vor allem auf das mittlere Management. Im Top-Management dagegen liegt der Frauenanteil selbst bei Personal und Marketing lediglich bei 1 %.

Aufsichtsräte: Energieunternehmen würden Quote nicht erfüllen

Positionen im Aufsichts- und Verwaltungsrat werden in der Energiewirtschaft eher durch Frauen besetzt als Vorstandsposten: Ihr Anteil ist um zwei Prozentpunkte auf 13 % gestiegen. Für Aufsichtsräte von rund 100 börsennotierten Unternehmen liegt der gesetzlich vorgeschriebene Frauenanteil bei 30 %  – und wird auch erreicht. Davon ist die Energiebranche noch weit entfernt. „Der Druck durch ein Gesetz wirkt. Das zeigt auch ein weiteres Ergebnis unserer Analyse: In den Bereichen von Politik und Behörden, die sich mit Energiethemen beschäftigen, ist der Frauenanteil mit 27 % weit höher als im Branchenschnitt“, sagt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC Deutschland. Vor allem in den südlichen Bundesländern hat sich der Frauenanteil in Politik und Verwaltung seit 2014 deutlich um 15 Prozentpunkte auf 30 % verdoppelt.

Große Firmen haben eine bessere Quote

Große Firmen haben eine bessere Quote als kleinere. Am höchsten ist der Frauenanteil in Aktiengesellschaften: Hier liegt er bei 14 %, bei GmbHs bei 12 % und bei Genossenschaften nur bei 4 %. Bis in den Vorstandsvorsitz geschafft haben es Dr. Marie-Luise Wolff von der Entega AG und Maria Moraeus Hanssen bei der DEA Deutsche Erdoel AG sowie seit dem 01.05.2018 Marion Rövekamp bei der EWE AG. Zwei weibliche Vorstandsmitglieder hat die Uniper Global Commodities SE. Doch Frauen in Vorständen von deutschen Unternehmen sind nach wie vor selten: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelt seit Jahren gleichbleibend 8 % bei den 200 umsatzstärksten Firmen, bei den DAX 30 immerhin 13 %. Die Energiebranche bleibt noch dahinter zurück: Nur 5 % der Vorstandsmitglieder sind Frauen. „Hinsichtlich der Frauenquote sollte sich die Energiewirtschaft ein Beispiel an anderen Branchen wie Handel oder Dienstleistung nehmen“, so Schwieters.

(pwc / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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