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Gehaltseinbußen für deutsche Vorstände


Vergleicht man die Gehälter zwischen Vorstandsvorsitzenden und den weiteren Vorstandsmitgliedern, hat sich der Abstand im Jahr 2018 vergrößert. | © Marco Scisetti / fotilia.com

Die Vorstandsmitglieder deutscher börsennotierter Unternehmen verdienten 2018 im Durchschnitt 0,5 % weniger als 2017. Frauen erzielten ein Gehaltsplus von 6,5 % – bei Männern schrumpfte die Vergütung dagegen um 1,9 %. Diese Entwicklungen zeigt das Mixed Compensation Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Die Vorstände deutscher börsennotierter Unternehmen mussten im Jahr 2018 Gehaltseinbußen hinnehmen. Im Durchschnitt haben sie 2,09 Millionen Euro verdient – 0,5 % weniger als im Vorjahr. Damit hat ihre Vergütung im Sechsjahresvergleich einen Tiefstand erreicht und liegt rund 30.000 Euro unter dem Höchstwert aus 2013. Über den Zeitraum von 2013 bis 2018 ergibt sich über alle DAX-Segmente ein Rückgang um 1,5 %. „Die zunehmend schwierige konjunkturelle Lage und die durchwachsene Geschäftsentwicklung bei vielen DAX-Konzernen hat zu Gehaltseinbußen bei den Top-Managern geführt“, beobachtet Dr. Jens Massmann, Partner und Spezialist für Vorstandsvergütung bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Weibliche Vorstandsmitglieder mit steigender Vergütung

Der Gehaltsrückgang gilt jedoch nicht für alle Vorstandsmitglieder: Weibliche Vorstände konnten sich gegen diese Entwicklung stemmen und im Jahr 2018 sogar ein Plus von 6,5 % verbuchen, während die Vergütung bei den Männern um 1,9 % gesunken ist. Wie schon 2015, 2016 und 2017 lag die Gesamtdirektvergütung der Frauen über alle DAX-Indizes oberhalb ihrer männlichen Kollegen in vergleichbaren Positionen – 2018 um durchschnittlich 480.000 Euro.

Mit 2,27 Millionen Euro fiel das Salär der weiblichen Vorstände um rund 27 % höher aus als das der Männer. Getrieben wird das deutliche Ergebnis jedoch auch von der prozentual geringeren Anzahl der Vorstandsfrauen in den niedriger vergütenden Indizes MDAX und SDAX. Hier blieben ihre Gehälter auch hinter denen der Männer zurück.

Trend bestätigt: Frauen liegen im DAX-30 vorn

Im DAX 30 lag – wie auch bereits in 2017 und 2016 – die Gesamtdirektvergütung der weiblichen Vorstandsmitglieder oberhalb ihrer männlichen Kollegen – durchschnittlich um 120.000 Euro. So verdiente ein weibliches DAX-30-Vorstandsmitglied im Mittel 3,04 Millionen Euro, bei den Männern waren es 2,92 Millionen Euro. Besonders eindrucksvoll ist in diesem Segment die Steigerung der Gehälter weiblicher Vorstandsmitglieder über die vergangenen sechs Jahre hinweg: Während sie zwischen 2013 und 2018 um etwa 16 % angestiegen sind, erhöhte sich im selben Zeitraum die Vergütung der männlichen Kollegen in vergleichbaren Positionen lediglich um 1 %.

„Der Gender Pay Gap in diesem Segment ist nachhaltig geschlossen“, erklärt Vergütungsexperte Massmann. Als wichtigen Grund nennt er den wachsenden Wunsch der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Da geeignete Kandidatinnen knapp seien, steige ihr Marktwert und damit auch ihre Vergütung. Auch der wie bereits in den Jahren 2016 und 2017 höhere Fixanteil an ihrer Gesamtdirektvergütung verdeutliche die gute Verhandlungsposition weiblicher Vorstände. Dieser war im Jahr 2018 bei den Frauen im DAX und MDAX (30 % bzw. 43 %) höher als der fixe Anteil ihrer männlichen Kollegen (23 % bzw. 36 %). Im SDAX lagen Frauen (43 %) und Männer (45 %) etwa gleich auf.

Ausblick: Weiterhin rückläufige Gehaltsentwicklung erwartet

Für das kommende Jahr rechnet Vergütungsexperte Massmann mit weiteren Rückgängen bei der Gesamtvergütung: „Viele führende deutsche Konzerne befinden sich in einer Umbruchphase und leiden zudem unter den internationalen handelspolitischen Spannungen sowie der Konjunkturflaute. Die Gewinne sinken, die Aktienkurse sind unter Druck. Daher müssen sich die Vorstände und vor allem die Vorstandsvorsitzenden wohl auf weitere Gehaltseinbußen einstellen.“

(EY / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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