Kategorien

Gewinnwarnungen auf Rekordniveau


Die Herausforderung besteht darin, von der nach wie vor guten Konjunktur optimal zu profitieren und sich gleichzeitig auf einen möglichen Abschwung vorzubereiten. Gut vorbereitete Unternehmen haben die Notfallpläne bereits in der Schublade, und in vielen Fällen bereits mit dem Betriebsrat vereinbart. | © Marco2811 / fotolia.com

Trotz der guten Konjunkturentwicklung mussten im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich mehr börsennotierte Unternehmen in Deutschland ihre Prognosen nach unten korrigieren als im Vorjahreszeitraum. Jedes achte Unternehmen gab eine Warnung aus.

Im gesamten Prime Standard haben im ersten Halbjahr 24 % der Unternehmen mindestens einmal ihre eigene Prognose kassiert, wobei die SDAX- und DAX-Konzerne die meisten positiven Korrekturen aufwiesen – 20 bzw. 17 % der Unternehmen haben ihren Ausblick nach oben angepasst –, während bei Negativ-Korrekturen vor allem die DAX-Konzerne betroffen waren: 17 % – also fünf Unternehmen – haben ihren Prognose im ersten Halbjahr nach unten revidiert. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die veröffentlichungspflichtige Korrekturen an Gewinn- und Umsatzprognosen im Zeitraum 2011 bis Mitte 2018 untersucht. Für die Analyse wurden alle 307 Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse betrachtet.

Steht eine Abkühlung bevor?

Noch in der zweiten Hälfte des Vorjahres hatte sich die weltweite Konjunktur überraschend stark gezeigt, und viele Unternehmen hatten ihre Prognosen nach oben angepasst, so dass die Zahl der Aufwärtskorrekturen auf ein Rekordniveau stieg – nun schwingt das Pendel zurück, die Zahl der Umsatz- und Gewinnwarnungen nimmt deutlich zu. „Wir bewegen uns schon seit einiger Zeit am oberen Rand des Konjunkturzyklus – und es mehren sich die Anzeichen, dass eine Abkühlung bevorsteht“, beobachtet Dr. Marc Förstemann, Partner bei EY in der operativen Restrukturierungsberatung.

Vor allem weltweit tätige Unternehmen betroffen

Der stärkste Zuwachs an negativen Prognosekorrekturen war im DAX zu verzeichnen: 17 % der DAX-Konzerne mussten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ihren Ausblick nach unten anpassen – im Vorjahreszeitraum hatte der Anteil nur bei 3 % gelegen. Im MDAX stieg der Anteil von 4 auf 8 %, während im SDAX und im TecDAX jeweils nur noch 8 statt 10 % der Unternehmen eine Gewinn- oder Umsatzwarnung veröffentlichten. „In den letzten Monaten haben vor allem stark im internationalen Wettbewerb stehende und im Ausland engagierte Unternehmen Probleme bekommen, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Sie sind besonders betroffen von weltweiten geopolitischen Entwicklungen“, beobachtet Dr. Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY. Die Unsicherheiten seien derzeit so groß wie schon lang nicht mehr: „Der Handelskonflikt zwischen den USA und China führt inzwischen zu spürbaren Einbußen für exportorientierte deutsche Unternehmen.“

Neue Herausforderungen für die Unternehmenssteuerung

Letztlich komme es für Unternehmen darauf an, ein funktionierendes Frühwarnsystem einzurichten, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, interne Strukturen flexibel zu halten und vor allem ihre Lieferketten und die Schnittstellen mit Zulieferern so anzupassen, dass schnelle Reaktionen auf unvorhergesehene Ereignisse möglich sind.

(EY / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Top