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IDW: Fortentwicklung der Unternehmensführung und -kontrolle


Das IDW nimmt den Fall Wirecard sehr ernst und diskutiert darüber in seinem Positionspapier. | ©vizafoto/fotolia.com

Der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer zieht erste Lehren aus dem Fall Wirecard und veröffentlicht ein Positionspapier mit zahlreichen Vorschlägen zur Fortentwicklung der Unternehmensführung und Abschlussprüfung.

Der Fall Wirecard belastet die Reputation des Finanzplatzes Deutschland und führt zu Fragen nach der Rolle der Wirtschaftsprüfer in der Öffentlichkeit. Natürlich ist der Fall Wirecard komplex und erfordert daher eine gründliche Analyse. „Erste Ansatzpunkte für Verbesserungen sind schon jetzt gegeben – ohne damit Vorverurteilungen zu treffen“, betont Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann, Sprecher des Vorstands des IDW. Und weiter: „Aus heutiger Sicht sehen wir Anpassungsbedarf bei Unternehmen des öffentlichen Interesses im Hinblick auf die Corporate Governance, die Abschlussprüfung und die Aufsicht – sowohl der Unternehmen als auch deren Abschlussprüfer. Auch die Rolle der (institutionellen) Kapitalmarktteilnehmer ist kritisch zu hinterfragen.“

Mehr Pflichten für den Vorstand

So schlägt das IDW vor, eine explizite Pflicht des Vorstands zur Einrichtung eines angemessenen und wirksamen Compliance-Management-Systems gesetzlich vorzuschreiben. „Ein solches System ist an der spezifischen Risikolage des Unternehmens auszurichten und soll ein regelkonformes Verhalten des Unternehmens sicherstellen. Damit kann es wirtschaftskriminellen Handlungen vorbeugen“, erklärt Naumann.

Zudem könnten vermehrt forensische Methoden in der Abschlussprüfung eingesetzt werden. „Dabei gilt es allerdings, nicht über das Ziel hinauszuschießen“, so Naumann, „denn die Aufdeckung von Bilanzmanipulationen und Vermögensschädigungen, also Fraud, ist ein schwieriges und aufwendiges Vorhaben, was nur bei Vorliegen substantiierter Hinweise auf Fraud und auf den Kreis der Unternehmen des öffentlichen Interesses zu beschränken ist.“ Auch könnte der Vorstand gesetzlich verpflichtet werden, im Abschluss eine explizite Aussage dazu abzugeben, dass ihm keine Tatsachen oder Gegebenheiten bekannt sind, die dem Fortbestand des Unternehmens, zumindest in den zwölf Monaten nach Abgabe der Erklärung, entgegenstehen.

Aufsichtsrat sollte Prüfungsausschuss einrichten

Der Aufsichtsrat sollte verpflichtet werden, einen Prüfungsausschuss einzurichten, um Kompetenz und Handlungsfähigkeit zu erhöhen. Und die von Vorstand und Aufsichtsrat abzugebende Entsprechenserklärung nach § 161 AktG könnte vom Abschlussprüfer geprüft werden.

Das IDW Positionspapier: „Fortentwicklung der Unternehmensführung und -kontrolle – Erste Lehren aus dem Fall Wirecard“ finden Sie hier.

(IDW / RES JURA Redaktionsbüro)


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