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Interne Revision: Neue Standards sollen die Prüfung erleichtern

RA Christian Knake
Mit dem neuen Prüfungsstandard wird man sich künftig darauf verlassen können, Vorgaben in den Händen zu halten, nach denen man seiner Pflicht zur Wirksamkeitsprüfung gut nachkommen kann. | RA Christian Knake

Die Interne Revision spielt eine wichtige Rolle in Unternehmen. Neue Prüfungsstandards sollen dem Aufsichtsrat helfen, künftig seinen Pflichten aus § 107 Abs. 3 AktG durch eigene Prüfung besser nachkommen zu können. Christian Knake, Experte für Governance, Risk & Compliance bei Warth & Klein Grant Thornton, erklärt im Interview, was Aufsichtsräte wissen müssen.

Wie nutzt der Aufsichtsrat bzw. der Prüfungsausschuss bisher die Interne Revision?

Christian Knake: „Das ist sehr schwer zu verallgemeinern. Grund hierfür ist die gesetzliche Situation, die es sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat ermöglicht, bzw. beide in unterschiedlicher Weise dazu verpflichtet, auf die Interne Revision zuzugreifen. Die genaue Ausgestaltung ist jedem Unternehmen dann selbst überlassen. Generell lässt sich aber sagen, dass der Aufsichtsrat bzw. der Prüfungsausschuss die Interne Revision zur Ausübung der Kontrollfunktion wie auch zur Informationsgewinnung nutzt.

Darüber hinaus muss der Aufsichtsrat bzw. der Prüfungsausschuss die Wirksamkeit der Internen Revision überprüfen bzw. sich von der Wirksamkeit überzeugen. Und an dieser Stelle treten nun die neuen Entwicklungen in Erscheinung.“

Das IDW und das Deutsche Institut für Interne Revision e.V. (DIIR) haben gemeinschaftlich den Entwurf eines Standards zur Prüfung von Internen Revisionssystemen erarbeitet, den IDW PS 983. Daneben werden in Kürze auch Standards zur Prüfung von Risikomanagementsystemen IDW PS 981 sowie zur Prüfung des Internen Kontrollsystems (IKS) der Unternehmensberichterstattung IDW PS 982 veröffentlicht. Worum geht es dabei? Was ist neu?

Christian Knake: „Zunächst einmal um eine bahnbrechende Zusammenarbeit zweier Institute bzw. Verbände, die mit einer Vielzahl von Experten zu einer fundierten und gemeinsamen Stimme gefunden haben. Die beiden weitgehend gleichlautenden Standards IDW PS 983 sowie das neue Quality Assessment nach DIIR Nr. 3 bündeln die Expertise zweier Expertenorganisationen. Dies wiederum hilft einem Aufsichtsrat bei der Erfüllung seiner Pflichten aus § 107 Abs. 3 AktG immens.“

Inwiefern?

Christian Knake: „Dem Aufsichtsrat oder dem von ihm eingerichteten Prüfungsausschuss obliegt die Prüfung, ob die vorstandsseitig eingerichteten Systeme und Abläufe mit Blick auf die Verhältnisse und Risiken der Gesellschaft angemessen und hinreichend effizient sind. Sollte es an entsprechenden Systemen fehlen, ist zu prüfen, ob der Verzicht darauf mit den Sorgfaltsanforderungen des § 93 Abs. 1 Satz 1 AktG noch im Einklang steht und angemessen ist.

Führt man diese Feststellung konsequent weiter, müsste das Aufsichtsratsmitglied selbst beurteilen können, ob und in welcher Ausgestaltung das Unternehmen Governance-Elemente implementieren muss. Darüber hinaus müsste sie oder er in der Lage sein, die Wirksamkeit der Internen Revision, des Risikomanagements sowie des internen Kontrollsystems selbst zu überprüfen, um seinen gesetzlich normierten Pflichten aus § 107 Abs. 3 AktG nachzukommen. Dementsprechend sieht sich der Aufsichtsrat mit sehr hohen fachlichen Anforderungen nicht nur in Bezug auf das Geschäftsfeld des Unternehmens, sondern auch im Hinblick auf Governance-Elemente konfrontiert.

Mit dem neuen Prüfungsstandard wird man sich künftig darauf verlassen können, Vorgaben in den Händen zu halten, nach denen man seiner Pflicht zur Wirksamkeitsprüfung gut nachkommen kann. Und dies ist auch eine der Neuerungen des Standards: Es wird zwischen Angemessenheits- und Wirksamkeitsprüfung unterschieden. Darüber hinaus werden auch unternehmenskulturelle Aspekte aufgenommen. Es ist aus der Sicht der beiden genannten Institute von entscheidender Bedeutung, dass die Governance-Elemente angefangen von der Geschäftsleitung bis hin zu den Mitarbeitern ausdrücklich mit getragen und unterstützt werden. Dies ist messbar und auch prüfbar.“

Wann wird es ernst?

Christian Knake: „Die Prüfungsstandards sind bereits als Entwurf veröffentlicht und treten voraussichtlich Anfang März in Kraft. Nach derzeitigem Stand wird die erstmalige Anwendung des Standards für Prüfungen relevant, die nach dem 31.12.2016 beauftragt werden.“

Welche Herausforderungen kommen damit auf den Aufsichtsrat zu?

Christian Knake: „Letztlich geht es den Verantwortlichen des Unternehmens darum, die Pflichten zur Organisation des Geschäftsbetriebes rechtssicher aufzustellen. Entscheidend in diesem Zusammenhang sind sicher nicht die zu prüfenden Elemente allein. Viel wichtiger ist das reibungslose, lückenlose und sinnvolle Ineinandergreifen der Governance-Elemente. Hier besteht bei vielen Unternehmen, die in der Vergangenheit verschiedene Systeme und Abteilungen (bspw. Compliance) aufgebaut haben, ein großer Bedarf, die Zusammenarbeit und Zuständigkeit mit anderen Governance-Elementen neu zu bewerten.“

Herr Knake, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro


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