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Kein Ende für Rekordübernahmen und -fusionen


ZEW-ZEPHYR M&A-Volumen-Pro-Deal-Index: Weltweite Rekordübernahmen und -fusionen toppen sich selbst. | © Sunny studio / fotolia.com

Im globalen Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) fällt es zunehmend schwerer, neue Superlative zu finden. Und die Motivation der Topmanager scheint nicht zu sinken, denn der Superdeal-Count in 2015 schießt auch 2016 weiter ungebremst nach oben.

Vier der zehn größten Deals beziehungsweise acht der zwanzig größten Deals der vergangenen Dekade wurden allein im Jahr 2015 abgewickelt. Mit einem Transaktionsvolumen von 67 Milliarden Euro stellte die im März 2015 abgeschlossene Übernahme des US-amerikanischen Botox Herstellers Allergan durch den Pharmariesen Actavis plc das größte Geschäft dar. Allein seit Mitte November kamen zwei weitere Megadeals hinzu: Der deutsche Pharmariese Merck schluckte den US-amerikanischen Chemie- und Biotechnologie Konzern Sigma Aldrich. Der Preis betrug 16 Milliarden Euro. Die Übernahme des texanischen Halbleiterherstellers Freescale ließ sich die im gleichen Geschäftsfeld tätige NPX aus Eindhoven rund 15 Milliarden Euro kosten.

KMU trotzen dem Trend

Kleinere und mittlere Unternehmen scheinen sich hingegen nicht am Kaufrausch der Giganten angesteckt zu haben. Die Anzahl der Deals nimmt seit Jahresbeginn stetig ab, das aggregierte monatliche Gesamtvolumen aller M&A-Transaktionen hingegen steigt weiterhin steil an. Das heißt, weniger Übernahmen bei steigendem Gesamtvolumen der Transaktionen. Der ZEW-ZEPHYR M&A-Volumen-Pro-Deal-Index, der den durchschnittlichen aggregierten Transaktionswert innerhalb eines Monats misst, verdeutlicht dies: Mit 106 Indexpunkten stellt der Juni 2015 den Monat mit dem höchsten durchschnittlichen Transaktionsvolumen seit Beobachtungsbeginn 2003 dar. Insgesamt wurden bis Oktober 2015 in vier Monaten durchschnittliche Dealvolumina gemessen, die höher waren als in jedem anderen Monat früherer Jahre seit 2003. Dies geht auch deutlich aus dem gleitenden Zwölf-Monats-Durchschnitt des Indexes hervor, der seit Anfang 2010 konstant steigt und mit 102.5 Indexpunkten mittlerweile auf seinem Allzeithoch steht.

Kein Abebben der Megadeals in 2016

Die Ursache für das gegenwärtige Markttreiben liegt darin begründet, dass sich viele finanzstarke Branchen seit Jahren in einem drastischen Konsoliderungsprozess befinden. Dieser wurde durch die Finanzkrise zwar zunächst aufgehalten, steuert nun aber – begünstigt durch die anhaltende Niedrigzinspolitik und die Veränderung des Marktumfelds – seinen Höhepunkt an. Nachdem im Anschluss an die Finanzkrise zunächst insbesondere kleinere und mittelgroße Unternehmenszusammenschlüsse zu beobachten waren, sind jetzt vor allem Branchenriesen am Zug. Analysten zufolge ist ein Abebben der Megadeals auch für 2016 nicht zu erwarten.

(IfM Bonn / Viola C. Didier)


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