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Keine Angst vor dem Brexit

Brexit, Europa, Politik
Für die in Großbritannien aktiven Unternehmen bietet sich vor allem eine Alternative: Deutschland. 54 Prozent nennen Deutschland als bevorzugtes Ziel außerhalb Großbritanniens. | ©Eisenhans/fotolia.com

Die große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland reagiert gelassen auf den bevorstehenden Brexit. Nur rund jedes 50. Unternehmen befürchtet starke Produktionseinbußen. Doch nicht nur das: Der Standort Deutschland wird im Zuge des Brexit attraktive ausländische Unternehmen anziehen.

Deutsche Firmen sehen dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs überwiegend entspannt entgegen. Das zeigt eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unter 2.900 Unternehmen: Mehr als 90 Prozent von ihnen erwarten keine oder nur geringe Auswirkungen auf ihre Geschäfte. Lediglich zwei bis drei Prozent glauben, dass der Brexit ihre Produktion, Investitionen und Beschäftigtenzahlen stark beeinträchtigen wird. Selbst den Handel mit dem Vereinigten Königreich sehen die meisten Unternehmen nur wenig beeinträchtigt. Nur knapp zehn Prozent rechnen damit, deutlich weniger Güter auf die Insel zu liefern, weitere rund 30 Prozent erwarten leicht rückläufige Exporte.

Positive Effekte durch britischen EU-Austritt

Knapp ein Viertel der Firmen erhofft sich sogar positive Effekte durch den britischen EU-Austritt, zum Beispiel weil Käufer wegen möglicher Handelsbarrieren nicht länger bei der britischen Konkurrenz zuschlagen, sondern bei ihnen. „Die Befragung zeigt, dass die britische Regierung über weniger Druckmittel in den Brexit-Verhandlungen verfügt, als sie zu glauben scheint“, sagt IW-Experte Jürgen Matthes. Bemerkenswert: Egal, ob die Firmen einen weichen oder einen harten Brexit erwarteten – die vermuteten Auswirkungen unterscheiden sich kaum.

Deutschland wird attraktiver

Nach einer aktuellen Befragung von Ernst & Young nehmen 40 Prozent der ausländischen Unternehmen Deutschland als Top-Investitionsstandort in Europa wahr – das sind zwei Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Damit baut Deutschland seinen Vorsprung innerhalb Europas gegenüber Großbritannien aus. Nur noch 22 Prozent (2016: 27 Prozent) sehen Großbritannien als führenden Standort. Noch weiter abgeschlagen ist Frankreich mit acht Prozent der Nennungen (Vorjahr: sieben Prozent). Die hohe Attraktivität des hiesigen Standortes dürfte auch dazu führen, dass Unternehmen beziehungsweise Unternehmensteile von Großbritannien nach Deutschland verlagert werden. Denn jedes siebte in Großbritannien aktive Unternehmen plant bereits jetzt, Geschäftsbereiche aus Großbritannien zu verlagern. Verlagerungen kommen im übrigen Europa für gerade einmal jedes 50te Unternehmen in Frage.

(IW Köln / EY / Viola C. Didier)


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