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Krisenrisiko Nummer 1: Unerwartete Liquiditätsengpässe


Wie gestalten migranten- und frauengeführte KMU den Krisenprozess im Vergleich zu nicht-migranten- und männergeführten KMU? | © eyetronic/fotolia.com

Das IfM Bonn hat die Krisenanfälligkeit und -lösung von kleinen und mittleren Unternehmen im Raum Frankfurt verglichen. Vor allem unerwartete Liquiditätsengpässe haben in den vergangenen fünf Jahren zu Krisen geführt.

Unternehmen agieren heute in einem Umfeld, das durch stetige Veränderungen gekennzeichnet ist. Sie spüren die Folgen der Globalisierung, der digitalen Transformation oder des demografischen Wandels beispielsweise in Form von verschärften Wettbewerbsbedingungen, Fachkräfteengpässen und veränderten Kundenbedürfnissen. Diese Veränderungen treten jedoch nicht plötzlich ein. Vielmehr haben die Unternehmen Zeit, sich darauf vorzubereiten und darauf zu reagieren.

Anders verhält es sich, wenn sich Rahmenbedingungen unvorhergesehen ändern: Beispielsweise können neue Regierungskonstellationen zu handelspolitischen Konflikten führen oder historisch gewachsene Geschäftsbeziehungen beeinträchtigen. Aber auch abseits globaler Effekte können sich aus Unternehmenssicht schnell Krisenherde entwickeln, z. B. wenn wichtige Lieferanten oder Kunden unerwartet wegfallen.

Unterschiede zu migrantengeführten Unternehmen

Vor allem unerwartete Liquiditätsengpässe haben in den vergangenen fünf Jahren zu Krisen bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in und um Frankfurt am Main geführt. Insgesamt waren über 500 KMU mit bis zu 99 Beschäftigten in Frankfurt und Umland zu ihrem Umgang mit Krisen und zu ihren Präventionsmaßnahmen befragt worden. Migrantengeführte KMU (40 %) gerieten deutlich häufiger in eine krisenhafte Situation als nichtmigrantengeführte Unternehmen (27 %). Gleichwohl erholten sich die kleinen und mittleren Unternehmen, die von Migranten geleitet werden, schneller als nichtmigrantengeführte KMU von der jeweiligen Krise.

Insgesamt positives Bild

Dagegen benötigten frauengeführte Unternehmen deutlich mehr Zeit, um sich von einer Krise zu erholen, als Unternehmen, die von Männern geleitet werden. Allerdings scheinen etablierte Unternehmerinnen aufkeimende Krisen deutlich frühzeitiger erkennen und entgegenwirken zu können. „Unerwarteten Krisen durch Zahlungsausfälle sind sie dagegen stärker ausgeliefert als männergeführte Unternehmen”, so die Einschätzung von IfM-Wissenschaftlerin Dr. Susanne Schlepphorst. Einen Grund hierfür sieht sie im zurückhaltenderen Verhalten von Frauen gegenüber säumigen Zahlern. „Betrachtet man alle Unternehmensgruppen zusammen, zeichnet sich ein positives Bild ab: Die Mehrheit von ihnen befasst sich bereits in einem frühen Stadium ganz bewusst mit möglichen Krisen. Gleichwohl sind sie niemals vor unerwarteten Liquiditätsengpässen gefeit”, berichtet die IfM-Wissenschaftlerin.

Mehr erfahren

Die Studie „Krisen von KMU: Herausforderungen, Verlauf und Resilienz frauen- und migrantengeführter Unternehmen” ist auf der Webseite des Instituts für Mittelstandsforschung abrufbar.

(IfM Bonn / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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