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Künstliche Intelligenz kommt in deutschen Unternehmen an


Deutsche Unternehmen setzen bei Künstlicher Intelligenz auf clevere Lösungen „von der Stange“ | ©Alexander Limbach/fotolia.com

Das Thema Digitalisierung ist längst im Aufsichtsrat angekommen, aber wie sieht es mit Künstlicher Intelligenz aus? Deloitte hat KI-Verantwortliche weltweit, darunter auch 100 Unternehmensvertreter aus Deutschland zum aktuellen Entwicklungsstand befragt. 65 % der deutschen Unternehmen setzen bereits auf fertige KI-Bausteine – und gleichen so fehlende Ressourcen aus.

Künstliche Intelligenz ist das vielleicht spannendste technologische Entwicklungsfeld unserer Zeit. Doch in Deutschland scheint das Thema eng verbunden mit einer gehörigen Portion „German Angst“. War die öffentliche Debatte vor ein paar Monaten noch hauptsächlich von Befürchtungen geprägt, KI würde massenweise Arbeitsplätze vernichten, geht es nun um die Angst, den Anschluss an Länder wie China oder die USA verloren zu haben. Doch wie steht es wirklich um Künstliche Intelligenz am Wirtschaftsstandort Deutschland? Deloitte hat für den „State of AI in the Enterprise Survey“ die Fakten zusammengetragen und KI-Verantwortliche befragt. Die gute Nachricht vorweg: Deutschlands Firmen beschäftigen sich mit Künstlicher Intelligenz und sind bei gewissen KI-Technologien im internationalen Vergleich vorne mit dabei.

KI-Technologien: Process Robotics vorn

„Es ist erfreulich, dass es bei der Anwendung von AI-Technologien in deutschen Unternehmen keine generellen Lücken gibt“, sagt Milan Sallaba, Partner und Technology Sector Lead bei Deloitte. „Alle Varianten Künstlicher Intelligenz kommen zum Einsatz. Auffällig ist allerdings die starke Verbreitung von Process Robotics in Deutschland. 67 % der befragten deutschen Unternehmen nutzen robotergesteuerte Prozessautomatisierung.“ In den internationalen Vergleichsmärkten USA, China, UK, Frankreich, Kanada und Australien setzen derzeit nur 49 % diese Technologie ein. Bei keiner anderen AI-Variante weichen deutsche Unternehmen so stark vom internationalen Durchschnitt ab.

KI-Strategien: Die großen Visionen fehlen noch

Aufholbedarf im internationalen Vergleich gibt es allerdings beim Thema Strategie. So verfügt erst ein Viertel (26 %) der befragten Unternehmen eine umfassende, unternehmensweite KI-Strategie. In allen sechs Vergleichsmärkten ist man bereits weiter: Im Durchschnitt haben dort bereits 35 % der Unternehmen eine übergreifende KI-Strategie.

German Angst

Die Zurückhaltung bei der Entwicklung übergreifender KI-Strategien ist vielleicht auch auf das noch immer ausbaufähige Vertrauen deutscher Unternehmen in Künstliche Intelligenz zurückzuführen. Intern werden KI-Initiativen häufig eher mit Sorge begleitet. Die Angst, falsche Entscheidungen basierend auf KI zu treffen, ist verhältnismäßig groß. 46 % der deutschen Unternehmen haben entsprechende Bedenken geäußert.

KI-Skills: Fachkräftemangel als Bremse

Die größte Herausforderung für die Unternehmen ist allerdings der Mensch. Es fehlen Fachkräfte. 62 % der Befragten beklagen fehlende KI-Kompetenzen, mehr als jedes fünfte Unternehmen spricht sogar von großen Schwächen in diesem Bereich. Ein Mittel im Kampf gegen den Fachkräftemangel erfreut sich bei deutschen Unternehmen bereits großer Beliebtheit und prägt damit maßgeblich die Implementierung von Künstlicher Intelligenz in den Firmen: „AI as service“ (AIas) oder salopp gesagt: „KI-Lösungen von der Stange“. Nur 15 der befragten Unternehmen implementieren KI hauptsächlich mit firmeneigenen Kräften. Stattdessen setzen 65 % der Studienteilnehmer auf fertige KI-Bausteine für die eigenen Produkte und Dienstleistungen. In den internationalen Vergleichsmärkten nutzen nur 49 % diese Möglichkeit.

(Deloitte / Viola C. Didider, RES JURA Redaktionsbüro)


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