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Mehr Betrugs- und Korruptionsfälle in deutschen Unternehmen


Deutsche Manager lehnen Barzahlungen oder Fälschung von Finanzergebnissen ab – Unterhaltungsdienstleistungen oder persönliche Geschenke werden dagegen eher toleriert. | ©Alexander Raths/fotolia.com

Die deutschen Unternehmen werden Betrug und Korruption nicht los: Nachdem der Anteil von Unternehmen, die innerhalb der letzten zwei Jahre einen größeren Betrugs- oder Korruptionsfall registrierten, 2016 noch auf 14 % gesunken war, liegt er in diesem Jahr mit 18 % wieder höher.

Trotz der gestiegenen Zahl entdeckter Delikte halten Deutschlands Manager Korruption in Deutschland nicht für ein generelles Problem: Keiner der befragten deutschen Manager hält Korruption hierzulande für weit verbreitet. In Ländern wie Brasilien (96 %), Kolumbien (94 %) oder Nigeria (90 %) sind korrupte Methoden nach Meinung der dortigen Manager dagegen an der Tagesordnung. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Anteil bei 38 %.

Persönliche Geschenke werden eher akzeptiert

Bargeldzahlungen oder eine absichtliche Falschdarstellung von Finanzergebnissen zur Sicherung des Unternehmenserfolges lehnen deutsche Manager durchgehend ab. Im globalen Durchschnitt sieht das anders aus: Da würden 13 % der Manager Barzahlungen leisten und fünf % Finanzergebnisse falsch darstellen. Unterhaltungsdienstleistungen (16 %) oder persönliche Geschenke (2 %) halten aber auch manche deutsche Manager für gerechtfertigt. Weltweit ist der Anteil mit 21 % beziehungsweise 11 % allerdings höher. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), für die über 2.550 Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 55 Ländern befragt wurden, davon 50 aus Deutschland.

Compliance-Systeme funktionieren

„Die vergleichsweise hohe Zahl von entdeckten Betrugsfällen in Deutschland ist kein Zeichen für eine überbordende Kriminalität in deutschen Unternehmen. Sie zeigt vielmehr, dass die in den letzten Jahren hierzulande eingeführten Compliance-Systeme in vielen Fällen greifen“, kommentiert Stefan Heißner, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services bei EY, die Ergebnisse. In Ländern, in denen überwiegend Kommissar Zufall bei der Entdeckung von Betrugs- und Korruptionsfällen beteiligt sei, liege die Dunkelziffer von Compliance-Fällen bedeutend höher als in Ländern mit einer stärker ausgeprägten Compliance-Kultur.

Jüngere eher zu unethischem Verhalten bereit

Dass ein ethisches und mit Recht und Gesetz zu vereinbarendes Geschäftsgebaren keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt insbesondere die höhere Bereitschaft der jüngeren Generation zu unethischem Verhalten: Jeder fünfte Befragte unter 35 Jahren weltweit würde Geldzahlungen leisten, um das Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten. Unter den Managern über 35 Jahren sagt das nur jeder Achte. „In den vergangenen Jahren gab es einige große öffentlichkeitswirksame Compliance-Fälle“, so Heißner. „Dennoch führt das offensichtlich nicht zu einem nachhaltigen Bewusstseinswandel, sonst müsste die jüngere Generation deutlich sensibler auf das Thema reagieren. Möglicherweise hat der Druck auf junge Manager aufgrund des höheren Tempos im Wirtschaftsleben und des stärkeren globalen Wettbewerbs zugenommen.“

Tipp für die Praxis: Nicht zu viel Druck aufbauen

Heißner rät Unternehmen „Dampf aus dem Kessel“ zu nehmen und junge Manager nicht mit überzogenen Zielvorgaben zu unethischem Verhalten zu verleiten. „Nicht alles, was zu Geschäftsabschlüssen führt, ist auch erstrebenswert. Im Gegenteil: Unethisches oder sogar illegales Geschäftsgebaren für den kurzfristigen Erfolg, kann sich langfristig extrem negativ auf das Unternehmen auswirken.“ Denn Betrug und Korruption sind das zweitgrößte Risiko für den Unternehmenserfolg. Diese Einschätzung teilen 36 % der deutschen Manager.

(EY / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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