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Unternehmen binden zu viel Kapital


Wenig Cash-Potenzial: Aufgrund der Situation am Kapitalmarkt – die Beschaffung von Liquidität ist günstig – greifen Unternehmen vermehrt auf externe Geldquellen zurück. Die Innenfinanzierung rückt nicht unmittelbar in den Fokus. | © weyo/fotolia.com

Eine aktuelle PwC-Studie zu Working-Capital-Management zeigt: Die Working-Capital-Performance von Unternehmen der DACH-Region hat sich in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert: Das Nettoumlaufvermögen stieg zwischen 2015 und 2016 um zwei Prozent – von 49 auf 50 Tage – an.

Im Zeitraum von 2015 bis 2016 haben Unternehmen ein Liquiditätspotenzial von etwa 60 Mrd. Euro gebunden. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, die Daten von mehr als 400 Unternehmen in der DACH-Region analysiert hat. „Auf der Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten sollten Unternehmen alle Bestandteile des Working Capital, Kundenforderungen, Lieferantenverbindlichkeiten und den Bestand in den Fokus rücken. Denn ein verbessertes Working-Capital-Management senkt die Kapitalbindung, erhöht die Liquidität und verbessert die Bonität. Dadurch vergrößert sich der Finanzierungsspielraum und der Unternehmenswert steigt“, erläutert Simon Böhme, Director im Bereich Working Capital bei PwC in Deutschland.

Globalisierung wirkt sich negativ auf Bestandsreichweite aus

Insbesondere die Durchlaufzeiten im Vorratsvermögen sind in den vergangenen zwölf Monaten deutlich angestiegen – um 12 Prozent von 61 auf 65 Tage. In Deutschland erhöhte sich die Bestandsreichweite in diesem Zeitraum von 57 auf 61 Tage. „Der Hauptgrund für die negative Entwicklung im Bereich der Bestände ist die Globalisierung der Märkte: Sie erhöht die Risiken und führt dazu, dass wesentliche Prozesse in der Lieferkette mehr Zeit in Anspruch nehmen“, so die Einschätzung von Simon Böhme.

Rückstand der KMU auf Großkonzerne sinkt

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor großen Herausforderungen beim Working-Capital-Management: Während ihre Bestände im Schnitt 93 Tage reichen, sind es in Großkonzernen nur 64 Tage. KMU begleichen ihre Verbindlichkeiten durchschnittlich innerhalb von 49 Tagen, Großkonzerne lassen im Schnitt 60 Tage zwischen Rechnungsdatum und Bezahlung verstreichen. Der Abstand zwischen Großunternehmen und KMU hat sich insgesamt allerdings leicht verringert: 2012 lagen zwischen dem Working Capital-Niveau der großen Unternehmen und dem der kleinen und mittleren Firmen 10,5 Prozentpunkte. 2016 hat sich diese Lücke auf 9,5 Prozentpunkte verkleinert. „Vor allem das Wachstum im Ausland stellt das Working-Capital-Management kleiner und mittlerer Unternehmen auf die Probe. Aufgrund von Kapazitätsengpässen oder Limitierungen in der Produktion führen sie häufig hohe Vorratsbestände. Bei den Verbindlichkeiten ist die Position kleinerer Firmen zur Durchsetzung verlängerter Zahlungsziele gegenüber Lieferanten naturgemäß schwächer als die von Großkonzernen“, so Böhme.

Die Digitalisierung nutzen

„Um ein optimales Working-Capital-Management zu erreichen, müssen Firmen sowohl finanzielle als auch operative Hebel betätigen. Führende Unternehmen nutzen die Digitalisierung und neue Technologien, um ihr Working Capital nachhaltig zu steuern und verbessern. Neuartige Finanzierungsinstrumente wie Supply Chain Finance sind beispielsweise gut geeignet, um gemeinsam mit Handelspartnern Lösungen zu finden“, so das Fazit von Simon Böhme.

(PwC  / RES JURA Redaktionsbüro)


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