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Unternehmen verfehlen immer häufiger ihre Gewinn- und Umsatzprognosen


Die Unternehmen segeln in stürmischen Gewässern: Wir bewegen uns am oberen Rand des Konjunkturzyklus - in diesem hoch volatilen Umfeld müssen immer mehr Unternehmen ihre Prognosen im Lauf des Geschäftsjahres korrigieren. | © hbomuc/fotolia.com

Ganze 59 % der börsennotierten Unternehmen haben 2017 ihre Prognosen korrigiert – im Vorjahr waren es nur 38 % gewesen. Die extrem hohe Zahl von Prognosekorrekturen – unabhängig ob nach oben oder unten – zeigt, dass die weltweiten wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten inzwischen erhebliche Spuren im operativen Geschäft vieler deutscher Unternehmen hinterlassen.

Trotz Konjunkturboom müssen immer mehr börsennotierte Unternehmen ihre Prognosen nach unten korrigieren: Im vergangenen Jahr wurden 95 Gewinn- oder Umsatzwarnungen gezählt – das waren 44 % mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 2011, als die Analyse erstmals durchgeführt wurde. Gleichzeitig stiegen aber auch die positiven Korrekturen, bei denen die Unternehmen das Übertreffen ihrer bisherigen Prognosen ankündigen, auf einen neuen Höchststand: Ihre Zahl hat sich im Vergleich zu 2016 von 89 auf 199 mehr als verdoppelt. Insgesamt stieg die Zahl der positiven oder negativen Prognosekorrekturen damit um 90 % von 155 auf 294. Über alle Segmente hinweg haben im vergangenen Jahr 59 % der Unternehmen mindestens einmal ihre eigene Prognose kassiert – ebenfalls ein neuer Höchstwert. Im Vorjahr hatte der Anteil noch bei 38 % gelegen.

DAX besser als andere Segmente

Besonders viele positive Überraschungen hatten die DAX-Konzerne im vergangenen Jahr zu vermelden: 57 % der DAX-Unternehmen haben ihre Prognose im Verlauf des Jahres mindestens einmal nach oben korrigiert – mehr als in allen anderen Segmenten. Und nur 10 % der Unternehmen haben eine Gewinn- oder Umsatzwarnung veröffentlicht – womit auch hier der DAX besser abschnitt als die anderen Segmente. 21 Mal haben DAX-Konzerne im vergangenen Jahr das Übertreffen ihrer Prognose angekündigt, nur drei Mal mussten die Unternehmen ihren Ausblick nach unten korrigieren. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die veröffentlichungspflichtige Korrekturen an Gewinn- und Umsatzprognosen in den Jahren 2011 bis 2017 untersucht. Für die Analyse wurden alle 304 Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse betrachtet.

Herausforderung für die Finanzkommunikation

„Die Konjunktur hat sich in den vergangenen Monaten besser entwickelt als erwartet – sowohl in Europa als auch in anderen Regionen wie Asien und Nordamerika“, beobachtet Marc Förstemann, Partner bei EY in der operativen Restrukturierungsberatung. „Viele Unternehmen hatten das Geschäftsjahr vorsichtig geplant, für diese kam die weiterhin sehr positive Entwicklung überraschend.“ Auf der anderen Seite gebe es aber auch belastende Faktoren, so Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY: „Steigende Rohstoffpreise, der Höhenflug des Euros, der neue Kurs der US-Regierung und die nachlassende Dynamik der britischen Wirtschaft führen bei einigen Unternehmen zu spürbaren Einbußen – je nachdem, ob und in welcher Form sie auf den betroffenen Märkten aktiv sind. Der Anstieg der Prognoseänderungen ist ein Abbild der gestiegenen Unsicherheiten in globalen Märkten und gleichzeitig eine erhebliche Herausforderung für die Finanzkommunikation der Unternehmen mit Blick auf Investoren und Analysten.“

Bedeutung effizienter Prognosesysteme steigt

Im Durchschnitt sanken die Kurse der betroffenen Unternehmen am Tag der Gewinnwarnung um 7 % und konnten sich auch in der Folgewoche nicht wieder erholen – im Gegenteil: Eine Woche nach Bekanntgabe der Gewinnwarnung lag der Aktienkurs im Durchschnitt um 8 % niedriger als vor der Ad-hoc-Meldung. Wenn hingegen Unternehmen ein Übertreffen ihrer Gewinnprognosen ankündigten, führte das im Schnitt zu einem unmittelbaren Anstieg des Aktienkurses um nur 2 % – der sieben Tage später auf ein Plus von 3 % stieg. „Nach wie vor werden Gewinnwarnungen von den Anlegern stärker bestraft, als Anhebungen der Prognosen belohnt werden“, erklärt Steinbach.

(EY / Viola C. Didier)


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