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Vorstandspositionen: „Es hapert an der Chancengleichheit“


Nur acht Prozent der Vorstandspositionen im DAX, MDAX und SDAX mit Frauen besetzt. | © motorradcbr/fotolia.com

Analysen zeigen: Vergütungsunterschiede zwischen Männern und Frauen sind von Belegschaft bis DAX-Vorstand weniger groß als vermutet, doch sind hoch bezahlte Positionen nur selten mit Frauen besetzt.

Während im Rahmen des „Equal Pay Days“ Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen an den Pranger gestellt werden, zeigen Datenanalysen von Willis Towers Watson, dass das Problem weit tiefer liegt: So sind in DAX, MDAX und SDAX nur 8 % aller Vorstandspositionen mit Frauen besetzt. Auf den Ebenen darunter sieht es nicht besser aus. So finden sich beispielsweise in der Finanzbranche drei Mal so viel Männer auf Management-Ebenen wie Frauen. „Fair Pay ist vor allem ein Thema der Chancengleichheit. Insofern ist der Fokus der auf ‚gleiches Geld für gleiche Arbeit zu eng gefasst. Er sollte auf‚ gleiche Chancen ausgedehnt werden“, findet Florian Frank, Leiter Talent & Rewards Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson.

Vorstandspositionen: kleiner Vergütungs- und großer Chancenunterschied

Schaut man auf die ordentlichen Vorstandsmitglieder im DAX, so erhalten Frauen erhalten im Median etwa die gleiche Zielvergütung wie ihre männlichen Kollegen (rund 2,7 Mio. Euro p.a.). Der (nicht signifikante) Vergütungsunterschied zwischen den Geschlechtern beträgt hier nur ein Prozent – zugunsten der Frauen. „Die Vorstandsvergütung wird vor allem von der Größe und Profitabilität des Unternehmens geprägt. Auch Faktoren wie Branche und Internationalität spielen eine Rolle, ebenso die Funktion“, erklärt Frank.

Frauen sind im Gegensatz zu Männern aber nicht in allen Vorstandsresorts vertreten. Vielmehr konzentriert sich ihre Vorstandstätigkeit bei den fünf am häufigsten vorkommenden Funktionen auf die des HR- und Finanzvorstands. Die Datenanalyse zeigt, dass weibliche Vorstände etwa so viele Chancen auf die Position des HR-Vorstands haben wie männliche Vorstände auf die Position des CEO. „Dieses Missverhältnis lässt auf eine eklatante Chancenungleichheit schließen“, kommentiert Frank.

(Willis Towers Watson / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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