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Warum Familienunternehmen aus der Deckung kommen müssen


Familienunternehmen in Deutschland: Guter Ruf, aber Aufholbedarf bei Zukunftsthemen. | ©Alexander Limbach/fotolia.com

Familienunternehmen genießen einen guten Ruf in Deutschland. Sie punkten mit einer verantwortungsvollen Unternehmensführung, einer starken regionalen Verwurzelung und langfristigen Orientierung. Doch wenn es um harte Fakten geht, liegen sie hinter anderen Unternehmensformen zurück.

61 % der Deutschen sind davon überzeugt, dass Konzerne die beste wirtschaftliche Performance haben. Lediglich 10 % der Bürger sehen Familienunternehmen in puncto Wirtschaftlichkeit an der Spitze. Das ist Ergebnis einer Bevölkerungsumfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bürgerinnen und Bürgern zum Image deutscher Familienunternehmen.

„Familienunternehmen müssen ihre Stärken selbstbewusster nutzen“

Auch bei weiteren „Hard Facts“ sind Familienunternehmen abgeschlagen. Gerade jüngere Bürger bewerten Familienunternehmen kritischer. Nur 42 % der Auszubildenden und Studenten halten diese Unternehmen für einen Innovationsmotor. In der Gesamtbevölkerung sind es 74 %. Ebenso bezeichnen nur 66 % der jungen Menschen Familienunternehmen als Rückgrat der deutschen Wirtschaft (Gesamtbevölkerung: 82 %).

„Da der Fachkräftemangel in Deutschland immer größer wird und Arbeitgeber stärker für sich werben müssen, ist das fatal – und auch nicht richtig: Schließlich stellen Familienunternehmen 58 % aller Arbeitsplätze in Deutschland und erwirtschaften 52 % des Gesamtumsatzes. Familienunternehmen, darunter viele Hidden Champions, müssen ihre Stärke offensiver und selbstbewusster verkaufen. ‚Hidden war gestern‘ lautet die Devise“, erklärt Uwe Rittmann, Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC.

Handlungsbedarf bei Zukunftsthemen

Auf einem Gebiet hingegen teilt Experte Rittmann die Einschätzung der befragten Bürger, von denen lediglich 6 % Familienunternehmen mit Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Technologisierung in Verbindung bringen, während es bei Konzernen 45 % der Befragten sind. „Da sehe ich in der Tat weiterhin dringenden Handlungsbedarf bei den Unternehmern und der Politik“, mahnt Rittmann. „Auch wenn man es heute noch nicht zwingend sieht, ist der Zug für manche schon aus dem Bahnhof herausgerollt. Wer sich nicht permanent anstrengt, läuft Gefahr vom Markt oder Wettbewerb abgehängt zu werden und zunehmend unattraktiv für neue Talente zu werden.“

Wettbewerb um die besten Köpfe

Insgesamt befürworten die Bürgerinnen und Bürger, dass Familienunternehmen gestärkt werden, etwa durch den Abbau von Bürokratie (50 %) und Steuersenkungen (41 %). Studenten und Azubis setzen sich besonders für eine Unterstützung bei der Digitalisierung (53 %) und eine Verbesserung der digitalen Infrastruktur (43 %) ein.

„Die junge Generation hat erkannt, dass Familienunternehmen hier Nachholbedarf haben. Und auch ich bin überzeugt, dass Familienunternehmen national wie international nur dann wettbewerbsfähig bleiben und den Fachkräftemangel bezwingen können, wenn sie Innovationsstärke zeigen und den Weg in die digitale Ära konsequent weiterverfolgen“, so Rittmann.

(pwc / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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